Viele Berater nutzen Claude, ChatGPT oder Gemini immer noch wie eine bessere Suchmaschine.

Kurze Frage rein. Antwort raus. Weiter.

Das funktioniert für einfache Recherchen. Aber für Business Analyse, Requirements Engineering, Product Ownership oder KI-Readiness ist das zu wenig. Dort geht es nicht darum, schnell irgendeinen Text zu bekommen. Es geht darum, unklare Situationen zu strukturieren, Entscheidungen vorzubereiten und aus vagen Informationen belastbare Arbeitsgrundlagen zu machen.

Der Unterschied liegt nicht nur im Tool. Der Unterschied liegt darin, wie gut wir das Tool führen.

KI ersetzt keine Beratungsmethodik

Ein schwacher Prompt klingt so:

Mach mir ein Konzept.

Das Ergebnis wird meistens generisch. Ein paar Absätze, etwas Management-Sprache, vielleicht eine Tabelle. Nett, aber selten wirklich projektfähig.

Ein guter Prompt gibt Kontext, Rolle, Ziel, Methode und gewünschtes Ergebnis vor. Dann wird Claude nicht zum Orakel, sondern zum Sparringspartner.

Beratung lebt von Struktur. KI verstärkt diese Struktur — oder eben die fehlende Struktur.

Was ein guter Consulting-Prompt leisten muss

Ein guter Prompt beantwortet mindestens fünf Fragen:

  1. Worum geht es? Kontext, Vorhaben, Zielgruppe, System oder Prozess.
  2. Welche Rolle soll die KI einnehmen? Business Analyst, Product Owner, Architekt, Risikomanager.
  3. Was soll entstehen? Liste, Tabelle, Executive Summary, Roadmap, User Stories.
  4. Nach welchen Kriterien soll bewertet werden? Nutzen, Risiko, Aufwand, Datenreife, Abhängigkeiten.
  5. Wofür wird das Ergebnis verwendet? Workshop, Steering, Backlog, Entscheidungsvorlage, Pilot.

Erst dann entstehen Antworten, die man im Projekt wirklich weiterverwenden kann.

20 Prompts für Business Solutions Consultants

Die folgende Prompt-Bibliothek ist als Arbeitsgrundlage gedacht. Nicht zum blinden Kopieren, sondern als Startpunkt. Jeder Prompt sollte mit echten Projektdaten, Kontext und Einschränkungen ergänzt werden.

1. Stakeholder-Mapping

Prompt:

Erstelle eine Stakeholder-Übersicht für dieses Vorhaben. Berücksichtige Rollen, Interessen, Einfluss, Betroffenheit, mögliche Konflikte und empfohlenes Einbindungsniveau.

Nutze für: Kick-off, Alignment, RACI-Vorbereitung.

2. Problem schärfen

Prompt:

Formuliere aus den vorliegenden Informationen ein präzises Problem Statement. Beschreibe Ursache, Auswirkung, Business-Kontext, betroffene Gruppen und offene Annahmen.

Nutze für: Discovery, Scoping, Management-Sicht.

3. Ist-Prozess analysieren

Prompt:

Analysiere den aktuellen Prozess. Identifiziere Engpässe, Medienbrüche, manuelle Arbeitsschritte, Risiken, Datenbrüche und offene Klärungspunkte.

Nutze für: Prozessaufnahme, Schwachstellenanalyse.

4. Soll-Prozess entwerfen

Prompt:

Entwirf einen Zielprozess mit klaren Prozessschritten, Rollen, Übergaben, Systeminteraktionen und konkreten Verbesserungshebeln gegenüber dem Ist-Zustand.

Nutze für: Zielbild, Prozessdesign.

5. Gap-Analyse

Prompt:

Vergleiche Ist- und Soll-Zustand. Liste die wichtigsten Lücken, Ursachen, Auswirkungen, Abhängigkeiten und priorisierten Handlungsfelder.

Nutze für: Priorisierung, Transformationslogik.

6. Anforderungen erheben

Prompt:

Erstelle einen Interviewleitfaden zur Erhebung fachlicher und technischer Anforderungen. Gruppiere die Fragen nach Ziel, Prozess, Daten, Systemen, Risiken und Erfolgskriterien.

Nutze für: Workshops, Interviews, Discovery.

7. User Stories schreiben

Prompt:

Wandle diese Anforderungen in präzise User Stories um. Verwende das Format „Als … möchte ich …, damit …“ und ergänze bei Bedarf fachliche Hinweise.

Nutze für: Backlog-Aufbau, Refinement.

8. Akzeptanzkriterien formulieren

Prompt:

Schreibe testbare Akzeptanzkriterien für diese User Story. Ergänze Randbedingungen, Ausnahmen und Beispiele im Given-When-Then-Stil.

Nutze für: Definition of Done, Qualitätssicherung.

9. Nicht-funktionale Anforderungen prüfen

Prompt:

Leite relevante nicht-funktionale Anforderungen für dieses Vorhaben ab. Berücksichtige Performance, Security, Verfügbarkeit, Datenschutz, Wartbarkeit und Skalierbarkeit.

Nutze für: Architektur, Security, Performance.

10. Anforderungen priorisieren

Prompt:

Priorisiere diese Anforderungen nach Business-Nutzen, Risiko, Aufwand, Abhängigkeiten und zeitlicher Kritikalität. Begründe die Reihenfolge.

Nutze für: Scope-Schnitt, Release-Planung.

11. Backlog strukturieren

Prompt:

Ordne dieses Backlog in sinnvolle Epics, Features und User Stories. Entferne Dubletten, markiere Unklarheiten und schlage eine bessere Struktur vor.

Nutze für: Backlog-Hygiene, Übersicht.

12. Roadmap planen

Prompt:

Erstelle eine realistische Roadmap mit Phasen, Meilensteinen, Entscheidungspunkten, Risiken und notwendigen Vorarbeiten.

Nutze für: Planung, Kommunikation.

13. Release-Scope schneiden

Prompt:

Schlage einen MVP- oder Release-Scope vor. Begründe, welche Funktionen jetzt umgesetzt werden, welche später kommen und welche bewusst nicht enthalten sind.

Nutze für: MVP, Increment Planning.

14. Risiken und Abhängigkeiten erkennen

Prompt:

Identifiziere die wichtigsten Risiken, Abhängigkeiten, Annahmen und Gegenmaßnahmen für dieses Vorhaben. Priorisiere nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung.

Nutze für: Steering, Risikomanagement.

15. Steering Update vorbereiten

Prompt:

Verdichte den aktuellen Projektstand zu einem Executive Summary. Zeige Fortschritt, Risiken, offene Entscheidungen, nächste Schritte und benötigte Management-Unterstützung.

Nutze für: Management, Steering, C-Level.

16. KI-Use-Cases sammeln

Prompt:

Sammle mögliche KI-Use-Cases für diesen Bereich. Beschreibe je Use Case Zielgruppe, Prozessbezug, Nutzen, benötigte Daten und mögliche Grenzen.

Nutze für: Ideation, Opportunity Scan.

17. KI-Use-Cases bewerten

Prompt:

Bewerte diese KI-Use-Cases nach Business Value, Machbarkeit, Datenreife, Integrationsaufwand, Risiko und regulatorischer Relevanz.

Nutze für: Priorisierung, Portfolio.

18. Datenreife prüfen

Prompt:

Prüfe für diesen KI-Use-Case relevante Datenquellen, Datenqualität, Lücken, Verantwortlichkeiten, Aktualität und Risiken für die spätere Umsetzung.

Nutze für: Readiness, Data Assessment.

19. KI-Risiken und Governance analysieren

Prompt:

Erstelle eine erste Governance- und Risikoanalyse für diesen KI-Use-Case. Berücksichtige Compliance, Bias, Security, Datenschutz, Transparenz und menschliche Kontrolle.

Nutze für: EU AI Act, Governance, Safeguards.

20. Pilot-Blueprint erstellen

Prompt:

Erstelle einen Pilot-Blueprint mit Zielbild, Scope, Erfolgskriterien, KPIs, Rollen, Risiken, Zeitplan und konkreten nächsten Schritten.

Nutze für: Pilotstart, Entscheidungsvorlage.

Claude richtig verwenden: mehr als nur Chat

Ein zweiter wichtiger Punkt: Claude ist nicht nur ein Chatfenster. Wer das Tool nur für einzelne Prompts nutzt, verschenkt einen großen Teil des Nutzens. Gerade in Beratungsprojekten entsteht der Hebel erst, wenn Chat, Projekte, Dateien, Artifacts, Integrationen und wiederverwendbare Arbeitsweisen zusammenspielen.

1. Chat: der schnelle Einstieg

Der Chat ist der Ausgangspunkt. Hier entstehen erste Formulierungen, Analysen, Zusammenfassungen oder Varianten.

Guter Einsatz: kurze Texte verbessern, Gedanken sortieren, erste Struktur erzeugen.

Beispiel-Prompt:

Formuliere diese E-Mail selbstbewusster, aber nicht unhöflich. Erhalte den sachlichen Ton und schlage drei Varianten vor: direkt, diplomatisch und knapp.

Wichtig: Nicht in jedem neuen Chat wieder die eigene Rolle, Bio oder Arbeitsweise erklären. Dafür sind Projekte besser geeignet.

2. Cowork: mit echten Dateien arbeiten

Claude wird deutlich nützlicher, wenn es nicht nur Text beantwortet, sondern mit Dokumenten arbeitet: PDFs, Tabellen, Präsentationen, Spezifikationen, Protokolle.

Guter Einsatz: Dokumente lesen, vergleichen, verdichten und daraus neue Arbeitsunterlagen erstellen.

Beispiel-Prompt:

Lies zuerst diese Dateien. Fasse noch nichts zusammen. Stelle mir zuerst die fünf wichtigsten Rückfragen, die du brauchst, um daraus ein belastbares Konzept zu erstellen.

Wichtig: Nicht einfach 200 Dateien hochladen und hoffen, dass Claude die richtigen auswählt. Fünf gute, relevante Dokumente sind oft mehr wert als ein unkuratierter Datenhaufen.

3. Projects: Kontext einmal sauber hinterlegen

Projekte sind für wiederkehrende Aufgaben gedacht. Dort gehören Arbeitsstil, Standards, Referenzdokumente, Begriffe, Zielgruppen und bevorzugte Ausgabeformate hinein.

Guter Einsatz: wiederkehrende Kundenarbeit, interne Standards, Schreibstil, Angebotslogik, Review-Prozesse.

Beispiel-Prompt für ein Projekt:

Nutze die hinterlegten Dokumente als Arbeitsgrundlage. Antworte in meinem Stil: klar, strukturiert, ohne Marketingfloskeln. Wenn Informationen fehlen, markiere Annahmen explizit.

Wichtig: Nicht alles in ein Mega-Projekt werfen. Ein Projekt pro wiederkehrender Aufgabe ist sauberer: zum Beispiel „Angebote“, „Requirements Reviews“, „Steering Updates“ oder „KI-Use-Case-Bewertung“.

4. Artifacts: aus Antworten Arbeitsprodukte machen

Artifacts sind nicht nur Spielerei. Sie sind praktisch, wenn aus einem Prompt ein bearbeitbares Arbeitsprodukt werden soll: Dashboard, Rechner, Checkliste, kleines Tool, HTML-Prototyp, Budget-Ansicht oder Visualisierung.

Guter Einsatz: interaktive Dokumente, kleine Tools, strukturierte Vorlagen, Dashboards.

Beispiel-Prompt:

Baue mir ein monatliches Budget-Dashboard mit Kategorien, Diagrammen, CSV-Import und Export. Nutze ein ruhiges dunkles Layout und erkläre danach, wie ich es anpasse.

Wichtig: Nicht nach dem ersten Ergebnis stoppen. Artifacts werden wertvoll, wenn man iteriert: Spalte hinzufügen, Layout ändern, Logik anpassen, Export ergänzen.

5. Excel: nicht nur Formeln erklären lassen

Wenn Claude direkt mit Tabellen arbeiten kann, wird es für Controlling, Planung, Auswertung und Fehleranalyse interessant.

Guter Einsatz: Formelfehler erklären, Datenlogik prüfen, Auswertungen strukturieren, Tabellen lesbarer machen.

Beispiel-Prompt:

Analysiere diese Tabelle. Erkläre, warum in Spalte B Fehler entstehen, welche Annahmen die Formeln treffen und wie ich die Struktur robuster mache.

Wichtig: Claude ersetzt nicht automatisch jeden Excel-Klick, jedes Makro oder jede saubere Datenmodellierung. Es hilft vor allem beim Verstehen, Strukturieren und Verbessern.

6. Connectors: Wissen dort suchen, wo es liegt

Connectors verbinden Claude mit Quellen wie Drive, Gmail, Slack, Notion oder anderen Arbeitsumgebungen. Dadurch muss man Informationen nicht immer manuell kopieren.

Guter Einsatz: Unterlagen finden, Projektstände zusammenfassen, verstreute Informationen bündeln.

Beispiel-Prompt:

Suche die relevanten Unterlagen zu Projekt X im Drive, fasse die wichtigsten Zahlen zusammen und erstelle daraus eine Entscheidungsfolie mit Risiken und offenen Punkten.

Wichtig: Connectors sind keine Dauerüberwachung. Claude sucht auf Anfrage. Es ersetzt kein sauberes Dokumentenmanagement.

7. Plugins: Abkürzungen für wiederkehrende Aufgaben

Plugins oder fertige Skill-Pakete können wiederkehrende Workflows beschleunigen: Marketing, Vertrieb, Recht, Datenanalyse, Präsentationen oder Recherche.

Guter Einsatz: häufige Standardaufgaben mit klarer Struktur.

Beispiel:

Nutze den Marketing-Workflow und erstelle aus diesem Thema einen LinkedIn-Post mit Hook, Kernaussage, Beispiel und Call-to-Action.

Wichtig: Nicht alles installieren, was verfügbar ist. Jedes zusätzliche Paket bringt Kontext und Komplexität. Lieber wenige, passende Erweiterungen nutzen.

8. Skills: eigene Arbeitsweisen wiederverwendbar machen

Skills sind besonders spannend, wenn man aus einem guten Prompt einen wiederholbaren Prozess machen will.

Guter Einsatz: Review-Checklisten, E-Mail-Antworten, Angebotslogik, Schreibstil, Requirements-Qualität, Projektstatusberichte.

Beispiel-Prompt für einen Skill:

Verwandle diesen Review-Prozess in eine wiederverwendbare Checkliste. Prüfe künftig Anforderungen auf Eindeutigkeit, Testbarkeit, Abhängigkeiten, Risiken und fehlende Akzeptanzkriterien.

Wichtig: Projekte speichern Kontext und Dateien. Skills beschreiben, wie eine Aufgabe ausgeführt werden soll. Das sollte man nicht verwechseln.

Die eigentliche Arbeitsweise

Der beste Workflow ist selten: Prompt schreiben, Antwort kopieren, fertig.

Besser ist:

  1. Kontext sauber vorbereiten.
  2. Relevante Dateien kuratieren.
  3. Claude zuerst Rückfragen stellen lassen.
  4. Ergebnis als Struktur, Dokument oder Artifact erzeugen.
  5. Iterativ verbessern.
  6. Gute Abläufe in Projekten oder Skills speichern.

So wird aus KI-Nutzung ein wiederholbarer Arbeitsprozess.

Warum diese Prompts funktionieren

Diese Prompts sind nicht besonders kompliziert. Genau das ist ihr Vorteil.

Sie zwingen dazu, klar zu werden:

  • Was ist das Ziel?
  • Welche Perspektive fehlt noch?
  • Welche Entscheidung soll vorbereitet werden?
  • Welche Informationen sind noch unsicher?
  • Was muss als Nächstes passieren?

Damit wird KI zu einem strukturierten Denkwerkzeug. Nicht zu einem Ersatz für Erfahrung, aber zu einem Beschleuniger für gute Vorbereitung.

Der eigentliche Hebel

KI macht schlechte Beratung nicht automatisch gut. Sie macht unklare Gedanken oft nur schneller sichtbar.

Wer ohne Methode promptet, bekommt schnell viele Wörter.

Wer mit Methode promptet, bekommt schneller bessere Arbeitsergebnisse.

Genau deshalb gehören gute Prompts heute zum Handwerkszeug von Beratern, Business Analysten und Product Ownern. Nicht als Spielerei, sondern als Teil professioneller Projektarbeit.

Fazit

Claude ist keine Suchmaschine.

Claude ist ein Werkzeug für Struktur, Analyse und Entscheidungsvorbereitung — wenn man es richtig führt.

Der bessere Prompt ist am Ende oft der bessere Denkprozess.


Hinweis: Der Artikel greift zwei LinkedIn-Impulse auf — eine Prompt-Sammlung für Business Solutions Consultants und eine Übersicht dazu, wie Claude über Chat, Projekte, Dateien, Artifacts, Connectors, Plugins und Skills sinnvoll eingesetzt werden kann.