Im Falter 13/26 spricht der österreichische Wissenschaftler Bernhard Haslhofer über die nächste Cybercrime-Welle – und warum Behörden, Banken und Unternehmen nur dann vorbereitet sind, wenn sie Forensik, Datenanalyse und internationale Zusammenarbeit zusammendenken. Hier die wichtigsten Punkte aus dem Interview plus die relevanten Links zu seinen Forschungsprojekten.

Wer ist Bernhard Haslhofer?

Kernthesen aus dem Falter-Interview (Auszug)

  1. „Eine Welle, die man in den Griff bekommen muss“ – Cybercrime professionalisiert sich rasant: Ransomware-as-a-Service, Phishing-Kits, KI-generierte Deepfakes.
  2. Daten & Ausdauer werden entscheidend: Ermittlungen dauern Jahre (Beispiel Bayern/Österreich), dabei braucht es saubere Datenketten, forensische Pipelines und internationale Rechtshilfe.
  3. Finanzkriminalität bleibt Dreh- und Angelpunkt: Krypto-Börsen, Payment-Dienstleister und Banken sind nicht nur Opfer, sondern müssen AML-Modelle anpassen.

„Jeder ‚Tatort‘-Zuschauer weiß inzwischen, dass ein DNA-Test der Polizei gehört. Wir brauchen die gleiche Selbstverständlichkeit bei digitalen Beweismitteln.“ – Bernhard Haslhofer (Falter 13/26)

Forschungs- & Praxisprojekte von Haslhofer

Projekt Fokus Links
GraphSense Blockchain-Analyse (Bitcoin, Ethereum, Tron…) für LEAs & Banken graphsense.info · Code
INSIGHT (FFG) Erkennung von Krypto-Scams & Laundering Patterns CSH-Projektseite
FINSTER (EU Horizon) Finanzforensik über Krypto & klassische Zahlungssysteme EU CORDIS
Salmon Analyse von Fraud-Communities (z. B. Telegram, Darknet) Paper (2024)
AML-Simulator Synthetic Data für Anti-Geldwäsche-Modelle CSH Blogpost

Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf seine Publikationen zu:
- „The Bitcoin Lightning Network: Scalable Off-Chain Instant Payments“
- „Ransomware Payments in the Dark“
- „Open-Source Intelligence for Financial Crime“

Was heißt das für Unternehmen und Behörden?

  1. Forensik-Toolchain prüfen – nutzt ihr GraphSense, Chainalysis oder ähnliche Tools? Gibt es Schnittstellen zur Polizei?
  2. Datenqualität sichern – nur wer Transaktionsdaten, KYC und Hinweisgeber-Infos kombiniert, kann Geldströme verfolgen.
  3. KI & Automation einplanen – neue Betrugsformen (Deepfake-CEO, Voice-Cloning) brauchen Detection-Modelle; Forschung wie CSH „DeepTrust“ zeigt, wie das aussehen kann.
  4. Ausbildung – Haslhofer plädiert für Forensik-Bootcamps und Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Polizei (siehe CSH Academy).

Weiterführende Ressourcen

Bottom Line: Haslhofer zeigt im Interview, dass Cybercrime längst nicht mehr nur ein Polizeiproblem ist. Wer Finanzen, IT, Politik und Wissenschaft zusammenbringt, bekommt die nächste Welle in den Griff – und genau daran arbeitet sein Team in Wien.